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Reisebericht 2010
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Bericht des Fahrers

Bericht des Fahrers

„Wenn einer eine Reise macht, kann er was erzählen...“ Es waren schon viele „Ferienreisen“ auf dem LKW, die ich machen durfte. Für eine Fahrt rechne ich eine Woche, wenn alles gut läuft. Jede dieser ca. 50 Fahrten war anders. Zu erzählen gäbe es von traumhaften Stimmungen und Landschaften, je nach Jahres- und Tageszeit und Wetter. Ob auf der Autobahn oder in den Karpaten. Von eisigen  und verschneiten Strassen, Nacht- und Nebelfahrten auf unbekannten Pässen, Sichtweite 2-3m. Bei stundenlangem Warten bei -20 C und Biese, oder bei glühender Hitze. In den 12 Jahren wurde ich nur 2-mal direkt mit Kriminalität konfrontiert. Einmal habe ich an einen Trickdieb etwa 200.- Euro verloren und einmal wurden die Planen aufgeschlitzt und einige Kartons geklaut. Einige Pannen und einen Auffahrunfall mit Materialschaden in Rumänien gehören auch zum Erlebten. Sehr viel Glück durfte ich auch erleben, wenn ich nur schon auf die vielen und schweren Unfälle denke, die ich gesehen habe.

Bevor Ungarn und Rumänien in der EU waren, dauerte es an jeder Grenze zwischen 4 und 24 Stunden und dann bei den örtlichen Zollbüros nochmals 6-12 Stunden um die Papiere zu erledigen, vorher durfte nicht abgeladen werden. Und dann immer diese Korruption. All das ist völlig normal, wenn man in den Osten fährt.

Unter den Fahrern erlebte ich allermeist eine gute Kollegialität, man half sich gegenseitig, ob auf den Rastplätzen oder wenn man an den diversen Büros anstehen musste. Es gibt ungeschriebene Regeln, wer sich nicht daran hielt, wurde freundlich und bestimmt darauf aufmerksam gemacht. Ungeduld und schimpfen bewirkte vor allem bei den Zöllnern das Gegenteil.

Abgeladen wird in der Regel in einem Hilfswerk und gleich etwas vorsortiert. Vor allem wenn die Teenager abladen geht es recht fröhlich zu und her. Die Pastoren oder Projektleiter kennen die Bedürftigen und wissen, was wo gebraucht wird, unabhängig von Konfession.

Wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich gerne mit zu den Menschen. So gewinne ich auch einen Einblick in das Leben vor Ort und sehe wo die Hilfsgüter hinkommen, in Familien, Heime oder Spitäler.

Bis so ein Transport in der Schweiz wegfahren kann, braucht es sehr viel Vorarbeit von einem ganzen Team. Zuerst mal sammeln und kontrollieren, denn es ist uns sehr wichtig, dass wir nur gute, ganze und zweckmässige Sachen transportieren. Dann muss alles ins Lager. Um den LKW zufüllen braucht es 110 m3. Zum Laden brauchen dann 8 Mann ca. 6 Stunden. Den LKW kann ich seit einiger Zeit von einer andern Osthilfeorganisation (Licht im Osten) ausleihen.

Neben vielen Stunden Freizeit  fallen auch viele Kosten an, die zum Teil von Transport-Spenden gedeckt werden, der Rest von uns. Für eine Fahrt muss man mit Spesen von ca. 3500.- rechnen, dazu kommt noch die Lager- und Fahrzeugmiete.

Aber aller Aufwand lohnt sich. Mit jedem Transport kann viel Not gelindert werden. Das beweisen auch immer wieder die Dankesbriefe.

Der Fahrer: Urs Mettler

Februar 2008